06.11.2020 / Statement / /

Zum Namenswechsel

Ich bin 37 Jahre alt und komme aus einer römischkatholischen (konservativen) Familie. Die politische Bindung zur CVP wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt. Seit 4 Jahren darf ich die CVP-Fraktion im Kanton Schwyz leiten. In dieser jungen aber durchaus intensiven Politkariere durfte ich die Vor- aber auch Nachteile unseres Parteinamens aus nächster Nähe kennenlernen.

Zum Namenswechsel

Ich bin 37 Jahre alt und komme aus einer römischkatholischen (konservativen) Familie. Die politische Bindung zur CVP wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt. Seit 4 Jahren darf ich die CVP-Fraktion im Kanton Schwyz leiten. In dieser jungen aber durchaus intensiven Politkariere durfte ich die Vor- aber auch Nachteile unseres Parteinamens aus nächster Nähe kennenlernen.

Der Name CVP ist ein Brand. Allerdings ist dieser nicht nur positiv behaftet. Das «C» ist auch zu einer Hürde geworden. Mit dem Namen «christlich-demokratisch» können wir heute leider viele Wähler und vor allem viele potentielle Mitglieder nicht mehr ansprechen. So haben wir in diesem Jahr absichtlich gar nur «CVP» auf die Liste geschrieben und nicht «Christlichdemokratische Volkspartei».

Unser Parteipräsident Pfister hat versucht, das «C» mit Inhalt zu füllen. Und er tat es gut; sogar sehr gut. Wir haben weniger verloren, als befürchtet wurde.

Dennoch werden wir, auch wenn wir das nicht direkt wollen,  mit der katholischen Kirche unmittelbar in Verbindung gebracht und das ist politisch (nur politisch) ein Pferdefuss. Diese direkte Verbindung einer Partei mit der katholischen Kirche können wir mit diesem Brand nicht ändern. Und ich meine, dass wir das ändern müssen. Wir können die Wertedebatte bis zum Umfallen führen, am Ende des Tages muss ein Wähler die Liste mit dem Namen «Christlichdemokratisch» nehmen und das schreckt mittlerweile viele ab. Meine Generation (zumindest die Gemässigten) wählt Mitteparteien, ihnen fehlt aber sehr oft die Verbindung zum C (auch wenn die Eltern allenfalls gar C gewählt haben).

Wir müssen erkennen, dass sich die Beziehung Staat und Religion verändert hat. Wir haben heute fast 40% (2 Mio.) konfessionslose Bürger und etwas über 30% Katholiken in der Schweiz (1970 weniger als 1% (57’000) Konfessionslose und fast 50% Katholiken). Die Tendenz ist klar. Für konfessionslose oder allenfalls auch evangelisch-reformierte Kreise ist das «C» als allererstes ein Hindernis. Um politisch wieder weitere Kreise ansprechen zu können, müssen wir diese vermeintlichen falsch verstandene Verbindung durchbrechen. Das bedeutet nicht, dass wir unsere Politik oder Werte ändern; im Gegenteil. Aber wir müssen diesen falschen Anschein des direkten Zusammenhangs unserer Politik mit der katholischen Kirche entledigen.

Konfessionslose Mitbürgerinnen und Mitbürger wählen in der Regel keine C-Partei bzw. treten einer solchen schon gar nicht bei.

Es darf nicht vergessen werden, dass wir im katholisch geprägten Kanton Schwyz zwar über ein treue Wählerschaft verfügen, dass wir aber insbesondere in den reformierten Kantonen nur marginal daseinsberechtigt sind und ergo mit dem gleichzeitigen Verlust von Wähleranteilen in den Stammlanden langsam an Einfluss in Bern verlieren, was sich mittelfristig auch auf die Politik in den  Stammlanden auswirken wird.

Als aktiver Politiker sehe ich grosse Chancen mit dem neuen Brand «Die Mitte» und mit der Fusion mit der BDP, welche vor allem die reformierten Kantone abdecken kann. Wir machen gute Politik. Aber wir werden uns in Zukunft schwer tun, gute Leute zu finden, und vor allem werden wir uns insbesondere in Gebieten mit vielen Neuzuzügern schwer tun, diese auch anzusprechen zu können (siehe letzte Wahlen).

Meine Analyse aus den letzten vier Jahren Aktivpolitik ist klar: wir müssen unsere Politik besser an den Mann und an die Frau bringen. Wir müssen neue Personenkreise ansprechen können. Das geht mit dem aktuellen Brand nur bedingt. Diese Chancen, welche sich nun auftun, dürfen wir uns nicht durch historische (über 50 Jahre zurückliegende) Überlegungen verbauen lassen. Wir dürfen uns dem gesellschaftlichen Wandel nicht verschliessen.

Ich danke allen Mitgliedern für die Unterstützung. Treten wir zu den nächsten Wahlen als «Die Mitte» an und gewinnen wieder Wähleranteile hinzu. Ich freue mich.

Matthias Kessler, Fraktionschef CVP Kanton Schwyz bzw. die Mitte Kanton Schwyz