24.04.2017 / Leserbrief / /

Positive Energie mit Abbau von Vorschriften

alt Nationalrat Reto Wehrli

Am 21. Mai finden zwei Energieabstimmungen statt, eine eidgenössische und eine kantonale. Welches ist der Hintergrund der beiden Urnengänge? Bei nüchtern-sachlicher Betrachtung: Wir sanieren unseren Gebäudepark, schaffen dadurch Arbeit und Verdienst in der Schweiz. Wir verbrauchen massiv weniger Energie und verringern damit unsere Auslandabhängigkeit. Das Mittel dazu ist ein Abbau von Vorschriften. Das rechnet sich, für jedermann. Dazu zehn Gedanken.

1. Rund 80 Prozent des schweizerischen Energiekonsums werden importiert. Wir verschleudern rund 10 Milliarden Franken pro Jahr im Ausland.

2. Das steht im Widerspruch zur schweizerischen Bundesverfassung, zu diversen Bundesgesetzen, der Kantonsverfassung und zu den kantonalen Gesetzen. Sie alle verlangen Auslandunabhängigkeit, eine sichere und umweltfreundliche Energiepolitik sowie die verstärkte Nutzung von einheimischen, erneuerbaren Energien.

3. Wir importieren unsere Energie vorwiegend aus Staaten, die unsere Werte missachten und wo fanatischer Terrorismus seine Basis errichtet hat.

4. Wir finanzieren also, was wir nicht wollen, wovor wir uns fürchten und was wir nun zu bekämpfen haben. (Terrorist Amedy Coulibaly tötete am 9. Januar 2015 in Paris vier Geiseln und bedankte sich anschliessend beim Scheich von Qatar für die logistische und finanzielle Unterstützung.)

5. Lukas Reimann, SVP-Nationalrat aus dem Kanton St. Gallen, sagte am 4. Dezember 2016: «Dreht den Islamisten den Geldhahn zu.» Das lässt sich in die Tat umsetzen. Indem man weniger Erdöl, Gas und Uran importiert.

6. Ist das möglich? Ja, das ist möglich, mit heutiger Technik und dank unserem hervorragenden Gewerbe. Die Lösung liegt im Gebäudepark. Dort lässt sich Energie produzieren. Und es lassen sich 80 bis 100 Terawattstunden einsparen. Diese Einsparung entspricht rund 40 Prozent des schweizerischen Gesamtenergieverbrauchs. 7. Das sagen nicht die üblichen Verdächtigen, sondern das sagt der Schweizer Bundesrat. Das Gleiche sagen auch die Verbände der Bauwirtschaft, die sich mit Gebäudetechnik befassen. Überhaupt, unsere Bauwirtschaft. Sie wird in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr endlos Neubauten in die Landschaft stellen können. Hingegen besteht in der energetischen Sanierung des Gebäudeparks ein historisches Potenzial für schweizerische Wertschöpfung und einheimische Arbeitsplätze.

8. Etwas anderes erzählen Ideologen und Parteipolitiker. Statt auf Marktwirtschaft, Innovation, Unternehmertum zu setzen…, verharren sie in Denkmustern des Kalten Krieges. Kalte Krieger aber wollen lieber zentrale Versorgung statt dezentrale.

9. Wir leisten uns ein Übermass an Vorschriften, auch im Gebäudebereich. Die kantonale Initiative für PlusEnergie-Bauten setzt hier den Hebel an. Sie bringt einen Abbau von Regulation. Sie setzt ein Ziel, schreibt aber kein Verfahren vor. Das ist einfache, effiziente Gesetzgebung ein klassischer liberaler Ordnungsansatz. Die Initiative will, dass wir mit der Verschleuderung von Energie und Geld aufhören. Dass der Kanton Schwyz zum dezentralen Kraftwerk wird. Und dass wir uns weitgehend selbst mit Energie versorgen.

10. PlusEnergie-Gebäude sind für jedermann bezahlbar, und sie rentieren. Das beweisen bereits realisierte PlusEnergie-Gebäude in der ganzen Schweiz und im Kanton Schwyz.

Wer ist glaubwürdiger: Bundesrat und Baugewerbe oder Parteipolitiker und Ideologen? Die Antwort ist klar, wenn man die Informationen dazu liest. Deshalb: Zweimal Ja. Ja zur eidgenössischen Energiewende, Ja zur kantonalen Energieinitiative.

ALOIS AB YBERG, SCHWYZ; ADRIAN DUMMERMUTH, GOLDAU; ROMY LALLI, BRUNNEN; LUZIA LÜÖND-BÜRGI, BRUNNEN; JAKOB SCHULER, SEEWEN; BRUNO SUTER, MUOTATHAL; RETO WEHRLI,